Die Entstehung der Ranzengarde-Concordia

Der lange Marsch der Ranzengarde durch die Geschichte...

1793
Es war schon eine recht unruhige Zeit damals anno 1793, als die französischen Revolutionstruppen unter General Moreau über den Oberrhein zu setzen versuchten und nur der breisgauische Landsturn ihnen Widerstand leisten konnte. Im Nachbarland Frankreich selbst gings drunter und drüber und wer einmal zu Jener Zeit das eigene Herrscherhaus um einen Kopf kürzer zu machen trachtete, den schreckten fremde Potentaten schon gar nicht mehr. Ungeniert fiel man ins Oberrheingebiet ein unter dem Motto: Egalité, Fraternité, Liberté. Sie handelten auch danach: Sie nahmen die Freiheit für sich in Anspruch, alles gleich zu machen, von den andern aber brüderliche Teilung zu fordern. Den damaligen Stadtbürgern waren solche Praktiken und Ideen von vorne herein suspekt; der Adel und die Geistlichkeit aber erblickten darin eine Bedrohung ihrer überlieferten Rechte und Privilegien. Gegen diese Bedrohung aus dem Westen aber brauchte man den Bürger und den Landmann gleichermaßen und aus beiden rekrutierte sich nach tirolischem Muster der Breisgauer Landsturm. Zu dessen Unterstützung aber organisierte die Bürgerschaft Freiburgs ein Freiwilligencorps von drei Kompanien, die sich als repräsentativer Querschnitt aus allen Kreisen und Berufsständen der Gemeinde rekrutierten. Handelsmann Franz Xaver Wilhelm organisierte die Artillerie, während sein Berufskollege Johann Baptist Gäß als Leutnant, erster Adjutant, des Oberkommandierenden Major Caluri war. Der Kaufmann Dominik Gäß befehligte als Major die Infanterie und Zunftmeister Wagner von der Zunft der Kaufleute war kommandierender Hauptmann. Und in der Zwischenzeit schien es aber ernst werden zu wollen, denn fünf Tage lang, vom 15. bis 19. September 1793, beschossen die Franzosen die alte Reichsfeste Breisach und richteten dort, wie schon oft seit den Tagen des Sonnenkönigs und seines Nachfolgers, große Verwüstungen an. Ein Vorstoß auf das rechtsrheinische Gebiet schien unmittelbar bevorzustehen. Um aber vor Überraschungen gewappnet zu sein, richtete der Landsturm einen Wachdienst am Rhein ein, wobei selbstredend 150 Mann Freiburger Corpsangehöriger mit von der Partie waren. Man setzte sie via Sasbach in Marsch, wo sie ihren zugeteilten Wachabschnitt übernahmen und zwar mit einer 14tägigen Ablösung. Diesen Dienst versahen sie aber beileibe nicht um Gottes Lohn oder ein herzliches Dankeschön, ganz im Gegenteil, sie erhielten nicht nur pro Tag einen Sold von 30 Kreuzern, sondern auch, man höre und staune, ein Pfund Fleisch, zwei Pfund Weißbrot und irgend ein Grünfütter oder Gemüse als Beilage. Ebenso erstaunlich war die Tatsache, daß sich achtzig Studenten der Universität mit ihren Professoren Mertens und Albrecht dem Befehl des Stadtrats und Corpskommandanten Franz Xaver Caluri unterstellt hatten. Der volle Respekt der Bürger war ihnen sicher. Wenige Wochen später wurde durch den vorderösterreichischen Regierungspräsidenten, Freiherr von Summerau, zusammen mit dem Breisgauer Oberkommandierenden, Feldmarschalleutnant von Staader, der ganze Breisgauer Landsturm aufgeboten, es waren im ganzen 6000 Bewaffnete.

1794
Den Freiburger Freiwilligen wurden die Landsturmkompanien von St. Georgen, Lehen und Zähringen zugeteilt, so daß das Freiburger Bürgerbataillon am 25. Februar 1794 bereits auf 600 Mann angewachsen war. Den Stadtsäckel kostete es 4500 Gulden nebst den beträchtlichen Mitteln, die aus der Bürgerschaft kamen, das heißt gespendet wurden. In nunmehr sechs Kompanien eingeteilt erhielten die Freiburger Freiwilligen eine eigene Corps-Fahne, die im Münster feierlich geweiht wurde. Nach der Ablösung von der Rheinwache bei Sasbach wurde das Corps der "Freyburger Freywilligen" neu organisiert und weiter ausgebildet und zwar unter Leitung und Aufsicht des Generals Maximilian Freiherr von Duminique, seines Zeichens Kammerherr Seiner Königlichen Hoheit, des Infanten und Herzogs von Parma, General und ehemaliger Kommandeur des Herzogtums Piazenza. Er selbst, von Herkunft Franzose, war als Royalist ein erbitterter Gegner der Jakobiner. Seiner unbestrittenen Verdienste halber wurde er später zum Ehrenbürger der Stadt Freiburg ernannt. Anno 1803, im Alter von 65 Jahre, erbaute er sich zu Heimbach bei Köndringen einen eigenen Alters- und Ruhesitz, hatte aber kaum Nutzen davon, da er bereits im November des folgenden Jahres das Zeitliche segnen mußte. Ihm zur Seite stand anno 1974 ein berühmtes Freiburger Kleeblatt: der Stadtrat Caluri, der Syndikus Dr. Engelberger und der damals noch nicht bekannte Student Karl von Rotteck. Schließlich wurden die seit fast einem Jahr gedrillten Freiwilligen durch den General der Rheinarmee, Veczey, auf den Nägeleseematten inspiziert. Es waren dies die Kompanien Gäß, Bob und Rombach, ferner die von Uffhausen, St. Georgen, Wendlingen, Lehen, Betzenhausen, Zähringen, ferner die Hoboisten und die Türkische Musik. Der Obrist des damals in Freiburg stationierten Terzkyschen Bataillons zollte ihnen als Fachmann vollste Anerkennung. Im folgenden Jahr, man schrieb anno 1794, erhielt das Corps materielle Verstärkung durch den Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen, in Gestalt von zwei erbeuteten französischen Vier-Pfünder-Kanonen, zwei vollen Munitionswagen und vier mit Kugeln und Kartätschen gefüllten Requisitionswagen. Dergestalt konnte das Corps der Freiwilligen am, 17. August 1794, seine Fahnenweihe begehen und am 4. Oktober des gleichen Jahres fand eine Parade der drei Kompanien zu Ehren des Kaisers Franz II. statt. Allsonntäglich erfolgten auf den bereits erwähnten Nägeleseematten, dem alten Hexentanzplatz aus dem Mittelalter, beim Schützenhaus, dem heutigen Gasthaus "Zum Schützen", Exerzierübungen nach dem damaligen österreichischen Ausbildungsreglement, wobei Zunftmeister Bosch von der Falkenberger-Zunft der Kaufleute hierbei als erster Fahnenträger debütierte. Frauen, Bräute und sonstige Anverwandte wohnten in gebührendem Abstand den Übungen bei. Es war schon etwas daran, wie die Zeitgenossen berichten: Man war mächtig stolz auf die 600 Mann Stadtverteidiger.